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In Grünewald baut die Firma Otto Fuchs für 80 Millionen Euro ein neues Oberflächenzentrum

Noch sind die Bauarbeiten am Fuchs-Neubau im Gewerbegebiet Grünewald nicht abgeschlossen, aber schonab Juni soll dort eine hochmoderne Lackieranlage ihren Betrieb aufnehmen und jeden Tag Tausende Schmiederäder veredeln. „Es entsteht die modernste Anlage für das Lackieren von Rädern, die es auf dem Markt gibt“, sagt Thomas Plett, Spartenleiter der Automotive Division bei der Otto Fuchs KG. „Sie erzielt eine deutlich bessere Oberflächenqualität als bisherige Anlagen und ist auf die Anforderungen des Marktes optimal zugeschnitten.“
Der Markt – das ist das Premiumsegment von Marken wie Mercedes, Audi, BMW, Porsche oder Ferrari. Für diese Kunden werden künftig pro Jahr 1,3 Millionen Fuchs-Exklusivräder in der neuen Anlage ein hochwertiges „Finishing“ (engl. Veredlung) erhalten, erklärt Plett. Die Bi-Color-Räder werden – der Name verrät es – dem gängigen Trend entsprechend in zwei Farben lackiert. Nach dem ersten der zwei Lackiervorgänge werden die Räder aufwendig poliert.


Erheblich kürzere Transportwege Durch das neue Oberflächenzentrum,
in das Fuchs80 Millionen Euro investiert, verkürzen sich die Transportwege erheblich. Bislang werden die Räder im Meinerzhagener Fuchs-Werk geschmiedet und für die Oberflächenbehandlung ins 350 Kilometer entfernte Werk in Leonberg bei Stuttgart gebracht. „Das ist historisch so gewachsen, macht aber logistisch keinen Sinn“, sagt Dr. Hinrich Mählmann, persönlich haftender Fuchs-Gesellschafter. Zum Vergleich: Die Distanz zwischen dem Fuchs Stammwerk an der Derschlager Straße und dem neuen Werk im Gewerbegebiet Grünewald beträgt nur etwa
sechseinhalb Kilometer. Das Oberflächenzentrum in Leonberg wird dafür geschlossen, das Gelände übernimmt
Bosch. Die Mitarbeiter aus Baden-Württemberg hätten das Angebot, nach Meinerzhagen zu wechseln, sagt Plett, was aber wohl nur von einem kleineren Teil der dortigen Belegschaft angenommen werden wird. Auch aus
dem Stammwerk an der Derschlager Straße werden einige Mitarbeiter ins neue Werk wechseln. „Wir werden viele
zusätzliche Mitarbeiter aus der Region einstellen.“ Insgesamt sollen in der neuen Anlage 200 bis 220 Mitarbeiter
beschäftigt sein. Der Spatenstich im Gewerbegebiet Grünewald erfolgte am 20. November 2016. Seitdem wurde Gelände planiert, die Bodenplatte gegossen und die Produktionshallen hochgezogen. Bevor auch die Spezialböden für die Maschinen gegossen werden konnten, mussten die Hallen komplett geschlossen sein, wie Plett und Mählmann erklären. Trotz der vielen Regentage liegen die Bauarbeiten im Zeitplan und man sei zuversichtlich, dass das auch so bleibe. Derzeit arbeiten etwa 120 Personen auf der Baustelle, die seit dem 6. November insbesondere mit der Montage der Lackieranlage zu tun haben. Die gesamte Anlage wurde von der Firma Fuchsselbst konzipiert und vom Anlagenhersteller Eisenmann ausgeführt, sagt Mählmann. Die Räder, die palettenweiseaus dem Stammwerk angeliefert werden, kommen vor dem Lackieren zunächst in ein Zwischenlager, in dem biszu 20000 Räder Platz haben. Von dort werden sie von der Anlage selbst automatisch angefordert und kehren zwischen den Lackiervorgängen dorthin zurück.


500 Räder durchlaufen die Anlage pro Stunde
In verschiedenen Bädern werden die Räder auf den Lackiervorgang vorbereitet. Diese werden Vorbehandlungsstufenwerden sowohl vorm ersten als auch vorm zweiten Lackiervorgang durchlaufen.
500 Räder durchlaufen die Anlage in der Stunde, ein Rad benötigt für einen Lackiervorgang inklusive Vorbehandlung und Einbrennen des Lacks etwa vier Stunden. Über Rollbahnen gelangen die Räder zu den einzelnen Stationen. Müssen die Räder gedreht werden, greifen Roboterarme ein. Nur ab und zu müssen die Facharbeiter kontrollierend eingreifen. „Die Mitarbeiter sollen weniger körperlich arbeiten, gefordert ist vielmehr eine den Prozess überwachende und einstellende Tätigkeit“, sagt Plett. Die Überwachung der Anlage sei eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, für die Facharbeiter nötig sein. „Die Räder müssen eine perfekte Oberflächenqualität haben, es dürfen keine Oberflächenfehler auf dem Rad sichtbar sein, und das hängt im Wesentlichen vom Geschick der Mitarbeiter ab.“ Aber eben nicht nur: Da jede Fussel sich auf dem Lack wiederfinden würde und dann Grund für eine Reklamation des Kunden wäre, ist die Lackieranlage eine „Hochreinheitszone“. Um Verunreinigungen zu minimieren, tragen die Facharbeiter dort also einen Haarschutz und Overalls aus nicht-flusendem Material. „Das ist eine Stufe vor der Chip-Produktion“, meint Mählmann zu den Vorkehrungen.
Auf Feinheiten kommt es auch bei den Drehmaschinen an. Damit sich selbst kleinste Erschütterungen vom Fabrikboden nicht auf die Maschinen übertragen können, ruhen diese auf eigens gegossenen Fundamenten. Diese sind durch eine Dehnungsfuge vom Fundament des restlichen Hallenbodens getrennt.


Spezialboden gegen Stromschläge
Der Boden rund um die Lackierkabinen hat eine spezielle ableitfähige Oberfläche, damit die dort tätigen Beschäftigten vor einer elektrostatischen Aufladung geschützt werden. Damit sich der Lack gleichmäßiger ausbreitet, wird nämlich im elektrostatischen Verfahren lackiert, das heißt die Räder und der Lack, mit dem sie besprüht werden, sind unterschiedlich geladen. Das Rad ziehe die Lackpartikel also förmlich an, erklärt Automotive-
Spartenchef Plett. „Wir werden dadurch etwa ein Drittel weniger Lack verbrauchen.“ Auch der Energieverbrauch
des gesamten Werks sei gegenüber dem alten um ein Drittel niedriger. Umweltschutztechnisch sei man auf dem neuesten Stand, sagt auch Mählmann. Über ein Blockheizkraftwerk werden die Hallen mit Strom versorgt und mit der Abwärme auch beheizt. So werde man viel CO2 einsparen. Durch den Einbau zahlreicher Dachgauben soll zudem möglichst viel Tageslicht genutzt werden.


Showroom soll Räder der Zukunft zeigen
Sind alle Oberflächenbehandlungen abgeschlossen – der Lack eingebrannt und die Rad-Oberfläche, der Spiegel,
poliert – geht es für die Räder ins Hochregallager, eine separate 35 Meter hohe Halle. Hier ist Platz für 145000
Fuchsfelgen, aufgeteilt auf 8000 Stellplätze für Paletten. Von dort aus werden dann die einzelnen Chargen verladen und an die jeweiligen Kunden versandt. Das Unternehmen wagt auf seinem Gelände in Grünewald
allerdings auch einen Blick in die Zukunft – über den Betriebsbeginn im Juni hinaus. Im dortigen Verwaltungsbau
soll neben Büros und Aufenthaltsräumen für die Mitarbeiter nämlich auch ein Showroom angesiedelt sein, die „Räderwelt“. „Dort erklären wir unter anderem die Historie der Fuchsfelge und wie die Räder der Zukunft
möglicherweise aussehen werden“, erklärt Autosparten-Chef Plett. Die Otto Fuchs KG investiert nicht nur im Gewerbegebiet Grünewald. Weltweit summieren sich die Investitionen des Unternehmens in diesem Jahr auf 200 Millionen Euro, die Tochter Schüco investiere weitere 75 Millionen, sagt Mählmann. So wird im Räderwerk
in Ungarn die Kapazität von ein auf zwei Millionen Räder im Jahr erhöht und nahe Los Angeles entsteht ein Presswerk für Luftfahrtteile.


Bericht aus der Meinerzhagener Zeitung vom 14. März 2018

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